Ökoweinbau
 

Manfred Welter

  .Bodenpflege Begrünung Handarbeit
  Bodenfruchtbarkeit - Was
verrät die Spatenprobe?

Der Charakter eines Weins wird
wesentlich vom Boden geprägt, auf
dem die Reben stocken. Ihm gilt die
besondere Pflege der Ökowinzer.
Sie verzichten auf chemisch- synthetische Düngemittel und versuchen, die natürliche
Bodenfruchtbarkeit durch gezielte
Maßnahmen der Bodenpflege zu
verbessern. Ziel ist ein lockerer,
garer Boden mit einer guten
Humusstruktur und einem aktiven
Bodenleben. Der Boden soll genug
pflanzenverfügbare Nährstoffe
enthalten, optimal Wasser speichern
und gut durchlüftet sein.
Mit der "Spatenprobe" kann der
Ökowinzer die Leistungsfähigkeit
des Bodens abschätzen. Ist der
Boden verdichtet und kaum
durchwurzelt, so wird der
Traubenertrag nicht gut ausfallen.
Zeigt sich aber eine gare, krümelige
Struktur mit vielen Wurzeln und
Kleinlebewesen, so können die
Reben wunderbar gedeihen.
 
 
  Klee  
 
  Mechanische Bodenpflege
                                                                       Die Pflege des Bodens im
ökologischen Weinbau erfolgt zu 90
Prozent mechanisch, also mit
Geräten, die vom Traktor gezogen
werden.
Vor einer Neueinsaat kommen
Kreisel-Eggen, Grubber oder
Scheibeneggen zum Einsatz. Zur
Pflege der Begrünung stehen
Walzen, Mulcher und
Unterstockmulcher zur Verfügung.
Trester und Kompost werden mit
Streuern ausgebracht, die speziell
auf die engen Rebgassen
ausgerichtet sind.
 
 
  Orchid  
 
   
  Spaten  
 
  Bodenlockerung, Mulchen,
alternierender Schnitt

Vor der Einsaat wird der Boden
gründlich zwischen 20 bis 30 cm tief
gelockert. Dies ermöglicht eine
intensive Durchwurzelung und
verbessert Bodengefüge, Luft- und
Wasserhaushalt. Später werden die
Begrünungen gewalzt oder
geschnitten: der Winzer sagt
"Mulchen", denn das Schnittgut
bleibt liegen und dient als weitere
Nährstoffquelle.
Springschwänze, Milben, Asseln,
Würmer sowie viele andere
Kleinlebewesen und
Mikroorganismen zersetzen die
abgestorbene Pflanzenmasse. Dabei
werden Mineralstoffe und
Spurenelemente frei und wertvolle
Huminstoffe aufgebaut. So
ermöglicht die Begrünung eine
natürliche Ernährung und Düngung
der Reben - ohne den Einsatz von
chemisch-synthetischen
Düngemitteln.
Schonender und alternierender
Schnitt bedeutet, dass nur jede
zweite Gasse gemulcht wird. So
bleibt der Lebensraum für die
nützlichen Kleintiere und Insekten
erhalten und das Aufkommen von standortbürtigen Gräsern und Kräutern wird gefördert, zum Beispiel Storchschnabel, Wiesenkerbel, Schafgarbe, Oregano, wilde Malve oder typische Zwiebelpflanzen wie Weinbergslauch, Milchstern und
Traubenhyazinthe.                                                                       Traubetrester und Hefe wurden in
die Weinberge zurück geführt. Je
nach Standort wird zusätzlich
Kompost ausgebracht, um den
Humus wieder zu verbessern -
Vollwertkost statt Kunstdünger.
 
 
  Einsaat von Pflanzenmischungen

Im Öko-Rebberg werden die
Bodenflächen durch die gezielte
Einsaat von Pflanzenmischungen
begrünt. Eingesät werden
Kräutermischungen mit Phacelia,
Buchweizen, Wiesenknopf, Kümmel
und Malve sowie
Leguminosen-Mischungen mit
Wicken, Erbsen, Luzerne und Klee.
Das Pflanzengemenge, das zur
Einsaat kommt - die Gründüngung -
wird je nach Bedarf variiert. Will der
Winzer stabilere und größere
Nützlingspopulationen schaffen, so
sät er mehrjährige Kleesorten und
Kräutermischungen ein, um das
Nahrungsangebot für Insekten und
Kleinlebewesen zu erhöhen. Sollen
vorrangig Humus und
Stickstoffgehalt verbessert werden,
so sind üppige Winterbegrünungen
sehr geeignet.
Die Knöllchenbakterien an den
Wurzeln von Leguminosen wie Klee,
Wicke oder Luzerne wandeln
Luftstickstoff auf natürliche Weise in
pflanzen